Feedback am Herd: Warum Kochen uns beibringt, ehrlich miteinander zu sein

Menschen die Kochen

Warum wir am Herd besser Feedback geben als im Meeting – und was Teams davon lernen können

Es gibt diesen Moment in der Küche, den ich immer wieder erlebe.

Jemand nimmt den Löffel, probiert, schaut kurz in die Runde und sagt: „Vielleicht noch ein bisschen Salz?“ Und alle greifen einfach gemeinsam nach dem Streuer.

Niemand fühlt sich angegriffen. Niemand verteidigt sich. Die Sauce wird besser – und fertig.

Ich denke dabei oft: Warum ist das am Herd so selbstverständlich, was im Büro so viel Mut kostet?

Feedback ist am Herd keine große Sache

Wenn wir gemeinsam kochen, probieren wir ständig. Wir passen an. Wir sagen, was fehlt – nicht um recht zu haben, sondern weil wir alle dasselbe wollen: dass es am Ende gut schmeckt.

Das klingt simpel. Ist es auch. Und genau darin liegt das Geheimnis.

Am Herd gibt es kein Ego, das verteidigt werden müsste. Kein Gericht „gehört“ einer Person so sehr, dass Kritik daran persönlich genommen wird. Das Ziel – ein gutes Essen, gemeinsam – ist größer als die einzelne Meinung.

Was wäre, wenn wir das in unsere Teams mitbrächten?

Was ich in meinen Kochevents immer wieder beobachte

Beim Agile Cooking im Atelier im Hof passiert etwas Interessantes: Teams, die sich im Meeting kaum trauen, eine andere Meinung zu äußern, stehen plötzlich am Herd und sagen ganz selbstverständlich: „Ich glaube, die Hitze ist zu hoch“ oder „Lass uns das nochmal abschmecken.“

Niemand hat sie dazu aufgefordert. Es passiert einfach.

Weil der Kontext ein anderer ist. Weil die Schürze vor dem Körper und der Kochlöffel in der Hand signalisieren: Hier dürfen wir ausprobieren. Hier darf etwas nicht auf Anhieb perfekt sein.

Ich habe erlebt, wie eine Praktikantin und ein Abteilungsleiter, die in Meetings kaum miteinander geredet haben, beim Anrichten eines Gerichts in ein echtes Gespräch kamen – über Geschmack, über Ideen, über das, was fehlt. Eine halbe Stunde später haben sie immer noch geredet. Über die Arbeit.

Feedback, das wirklich funktioniert, hat dieselben Zutaten wie gutes Kochen

Es ist direkt, aber nicht hart. Konkret, nicht vage. Und es kommt im richtigen Moment – nicht drei Wochen später in einem Jahresgespräch, wenn das Gericht längst kalt ist.

Genau das üben wir am Herd, ohne es zu merken. Wer gemeinsam kocht, lernt:

Probier früh. Sag, was du wahrnimmst. Bleib beim Thema (der Sauce, nicht der Person). Und geh davon aus, dass alle dasselbe wollen.

Das sind keine Kochregeln. Das sind Prinzipien, die jedes Team braucht.

Was du mitnehmen kannst

Du musst kein Kochevent veranstalten, um das auszuprobieren. Fang klein an: Nächstes Mal, wenn du Feedback geben willst, stell dir vor, du stehst am Herd. Was würdest du sagen, wenn es um eine Sauce geht? Wahrscheinlich genau das Richtige.

Und wenn du mal erleben möchtest, wie sich das anfühlt – mit einem ganzen Team, in einer echten Küche – weißt du ja, wo du uns findest.

Und genau das erleben wir beim Agile Cooking im Atelier im Hof: gemeinsam kochen, probieren, Feedback geben – und merken, wie natürlich das eigentlich geht, wenn der Rahmen stimmt.

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